Zwischenraum

das Projekt
Bei dem Projekt Zwischenraum handelt es sich um einen interdisziplinären Künstler-workshop, zu dem ich einen international renomierten Kreis von 35 Künstlern aus dem gesamten Bundesgebiet sowie New York, London und Portugal über vier Tage zum kreativen Arbeiten in die ehem. Hoesch Produktionshallen in Attendorn im Sauerland einladen konnte. Profilierte Persönlichkeiten wie die Fotografin Sinje Dillenkofer aus Stuttgart, der Fotograf Karl Friedrich Muschel aus München/London, der Maler Thomas Deyle aus Köln und der New Yorker Jazzpianist Cornelius Claudio Kreusch konnten unter anderen für dieses Konzept gewonnen werden.
Vertreten waren alle Kulturbereiche wie Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Choreografie, Literatur, Philosophie, Musik und Kulinarik.
Wie schon bei den Vorgängerveranstaltungen 1995 und 1998 stand auch dieses Mal die atmosphärische Gesamtwirkung aller einzelnen Kompomente im Vordergrund. Der kommuni-kative Höhepunkt der Gesamt-veran-staltung und Symbol der harmonischen Zusammen-führung der Disziplinen war der Samstag Abend unter dem Titel „ Ein Ma(h)l in den ehem. Hoesch Hallen”.
220 Gäste konnten sich neben dem Genuss des kulinarischen Angebots eines 5-Gang Menues in einer aufgelockerten Atmosphäre mit den Künstlern und ihren Werken auseinandersetzen und die gesamte Dichte der Überlagerungen aus Kunst, Raum und Genuss spüren.
Während der Dauer der Ausstellung war die Öffentlichkeit willkommen und der Charakter der künslerischen Gemeinsamkeit intensivierte sich erheblich und hinterließ bei Teilnehmern und Besuchern erinnerungsstarke Spuren und eine Lagerhalle, die nach der Ausstellung in einem anderen Licht gesehen werden wird.

die Innovation
Der innovative Gedanke besteht darin, mit einer außergewöhnlich inszenierten Kunstaus-stellung einen ungewöhnlichen, für die Region Sauerland entwerteten Ort, in einen neuen Kontext zu transformieren. Durch diese Konversion wird der Ort in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückgeholt und möglicher-weise Potentiale für die Zukunft eröffnet.

der Workshop
Die Herausforderung war ein Konzept zu entwickeln und anschließend umzusetzen, mit dem sich ein für Ausstellungen eher ungewöhnlicher Ort wie der der ehem. Hoesch Hallen künstlerisch inszenieren lässt.
Der Veranstaltung gingen zwei Vortreffenim Februar und Juli voran, an denen sich die Künstler mit dem Ort vertraut machen konnten. Die einzelnen Ausstellungs-situationen wurden ausgewählt und die Konzepte ausgetauscht. Die bildenden Künstler installierten eigens für diesen Ort entwickelte Objekte in den Innen- und Außenräumen des Industrieareals und arbeiteten auch vor Ort an den verschie-densten Projekten.
Neben dem festgelegten Rahmenprogramm gab es zwischendurch immer wieder Le-sungen der Schriftsteller, verschiedene Perfor-mances, kleinere Konzertveranstaltungen und Improvisationen. Die interdisziplinäre
Heran-gehensweise führte durch die unter-schiedlichen Ansätze der Künstler zu einem breiten Spektrum an Beiträgen. Dieser unkonventionelle Ausstellungsort in einer Region wie Attendorn, die unter-schiedlichsten persönlichen und künst-lerischen Ansichten der Beteiligten und die Koordinierung der Umsetzung erforderten einen hohen Grad an Team- und Improvi-sations-fähigkeit.
Die Veranstaltung sollte bis zum letzten Mo-ment offen für situative Impulse und somit ähnlich entwicklungsfähig wie der Ort selber bleiben.

der Ort
Die Stillegung der Stahlbauabteilung der Hoesch Siegerlandwerke AG in Attendorn am 30. Juni 1985 beendete die 100 jährige Blechtradition an diesem Standort und brachte die Hallen durch die sozialen Folgen erstmals in das öffentliche Interesse. Seit dieser Zeit ist das Gelände in Besitz der Fa. H. Seelbach GmbH & Co Stahlrohre und in großen Teilen ungenutzt, da der Betrieb der vorgesehenen Stahlrohrproduktion nicht aufgenommen wurde. Die Hallen rückten in den politischen Brennpunkt der Öffentlichkeit und sorgten ab diesem Zeitpunkt immer wieder für Negativschlagzeilen.
Das Gelände dient teilweise Attendorner Firmen als temporäres Lager, war jedoch für die Einwohner Attendorns als Raum nicht erlebbar.
Die Idee bestand darin, das Potential dieses häufig als Unort bezeichneten Orts, mit seiner sozialen und politischen Brisanz aufzuspüren und durch ein geeignetes künstlerisches Konzept zu transformieren und einen Impuls zu einer Nutzungsänderung zu geben.
Im Vordergrund stand dabei die Ausein-andersetzung mit dem Raum und der Zeit. Die Spuren der spezifischen Geschichte zeigten am deutlichsten ihre Präsenz in den seit 1985 unberührten Räumen des Sozialgebäudes. Kaffeekannen und Tassen auf den Tischen der ehemaligen Kantine führten dem Betrachter die passierte Zeit ebenso vor Augen wie Kleidung, Seife, Tageszeitungen etc. in den Spinden der Um-kleideräume.
Die voluminösen Hallen mit ihren gigantischen Krananlagen und der Kulisse aus stählernen Zeitzeugen, der Innenhof und die Nebenräume wie die Kantine, die Sanitärräume und das Meisterbüro eröffneten der künstlerischen Bespielung spannende Möglichkeiten. Die unterschiedlichen Raumvolumina boten differenzierte Lichtverhältnisse und Licht-atmosphären.
Die Szenerie mit dem Bewusstsein eines seiner ursprünglichen Nutzung enthobenen Ortes ließ den Künstlern Raum für kreative Strömungen.

der Zwischenraum
1. freier Raum besonders zwischen zwei Dingen 2. zeitlicher Abstand, der zwischen Vorgängen Tätigkeiten o.ä. liegt. Der Zwischenraum setzt ein Kontinuum voraus, das er rhythmisiert und dadurch Teil des-selbigen wird, ohne selbst kontinuierlich zu sein, da er vergeht. Zwischenräume sind nicht Nichts vielmehr sind sie bedeutsam gefüllte Leerstellen, die Trennung, Wechsel und dem Übergang ermöglichen und somit das nahtlose Fortschreiten dementieren. Er trägt die potentielle Kraft des Freiraums in sich, aus dem neue Räume entstehen können.



die Künstler
Annette Besgen Malerei Siegen • Angelika Schmitt Architekturfotografie Raum im Raum Bonn • Axel Biesler Schriftsteller und Beo-bachter Freiburg • Christian F. Kintz Malerei Hamburg • Cornelius Claudio Kreusch Pianist New York • Dieter Biesler Kulinarik Hannover Duo Toll Wood Bianca Hase Querflöte Aachen Marcel Anders-Hoepgen Gitarre Aachen • Franz Xaver Baier Philosophie München • Gesine Braun Fotoinstallation und Performance München • Ingo Porschien Schriftsteller Siegen Johannes Krebs Violoncello Köln • Karl Friedrich Muschel Fotografie München • Lutz Dransfeld Neoninstallation Siegen Berlin • Marc Haselbach Bildhauerei Darmstadt
Micha Purucker Choreographie München • Michael Zwingmann Bildhauerei Hannover Nati Greineder Malerei München • Norbert Stening Kulinarik Siegen • Phunk M.O.B. Soul Phunk und Trip Hop Darmstadt • Roland Brandtner Kulinarik Berlin • Rolf Rüsche Kulinarik Attendorn • Sinje Dillenkofer Fotografie Stuttgart
Tilo Kaiser Malerei New York • Thomas Deyle Malerei Köln • Thom. Rauchfuß Malerei Berlin • Thomas Wagner Sensorperformance Berlin • Volker Schnüttgen Bildhauerei Attendorn Joao das Lampas • Wolfgang Eigendorf Flugobjekte Berlin • Zuzanna Skiba Berlin

die Partner
Die non Profit Veranstaltung ließ sich nur mit dem professionellen Engagement der Künstler, der ehrenamtlichen Mitarbeiter und der Sponsoren realisieren. Mein Dank gilt allen Beteiligten für ihre Aufgeschlossenheit gegenüber der Idee.
Durch die finanzielle Unterstützung der regionalen privaten Partner und der Firmen-partner war der Eintritt für die Besucher an allen Tagen frei.

die Resonanz
Wenn von einer Atmosphäre fast wie in einer Kathedrale gesprochen wird glaubte bislang kaum ein Attendorner, dass von den ehem. Hoesch Hallen am Wassertor die Rede ist. Wenn vom morbiden Charme einer alten Industrieanlage geschwärmt wird schon eher.
Diese Wortschöpfungen stammen nicht von den alten Walzbrüdern oder Hoeschianern, die in den Hallen mit Knochenarbeit ihren Lebensunterhalt verdient haben, sondern von den Künstlern.... WR Februar 2000

Etwa 2000 Gäste besuchten innerhalb von drei Tagen die Veranstaltungen. Die Veranstal-tungs-kalender Fritz Köln, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main und Flyer NRW und Frankfurt am Main kündigten das Event an. Die Regionalpresse WP, WR und der Sauerlandkurier berichtete mit mehreren die Ausstellung begleitende Artikeln. In den überregionalen Teilen der WP und der WR erschienen Berichte. Radioreportagen liefen in Radio Siegen und dem WDR.

Sept.99 erste Gedanken an eine weitere interdisziplinäre Kunstveranstaltung fügen sich zu einer Idee • Ab Okt.99 Hermann Seelbach stimmt der Nutzung der ehem. Hoesch Hallen für dieses Projekt zu • Festlegung des künstlerischen Rahmens und Entwicklung eines Gesamtkonzepts • Treffen mit Künstlern in Berlin • Nov.99 Die Sponsoren der Veranstaltung im Schloss Bamenohl 98 können auch für dieses Projekt gewonnen werden • Kontaktaufnahme mit Künstlern in London, Köln, Hannover, München und Darmstadt • Jan.00 Erstellung eines Budgetplans • Gespräche mit Helfern • Engagement privater Sponsoren • Ortstermine mit den zuständigen Behörden und Handwerkern • Febr.00 Das Thema Zwischenraum entsteht • Erstellung eines Zeitplans • Eröffnung eines Ausstellungskontos • Konzept der Einladungsbroschüren • Erstes Künstlertreffen in den Hallen • Treffen mit Künstlern in NY • Kostenkalkulation • Bestellung von 1450 Flaschen des Ausstellungsweins • Apr.00 weitere Sponsoren unterstützen die Veranstaltung • Zweites Treffen der Künstler in Attendorn • Buchung von 270 Hotelübernachtungen • Jun.00 Einreichen der Konzepte und Koordinierung der Ausstellungssituationen • Aug.00 Letzte Aufräumarbeiten • Sicherheitschecks • Schaffung der Infrastruktur • Verschicken der Einladungen • 21.Aug.00 Anreise der Künstler und der 15 Helfer • Aufbau und Installation der Arbeiten • Anlieferung von 1000 Tellern sowie 1000 Bestecke, 1000 Gläsern, 200 Stühle, 45 Halogenscheinwerfer, 500 m Verlängerungskabel

Bilder anschauen
zurück zur Übersicht
Zwischenraum-Prospekt PDF)